Atemübungen für Entspannung - wie sie uns nützen

Atemübungen für Entspannung

veröffentlicht am 05. April 2016 | Autor: Caroline Böhme

 

Der Atem ist nicht nur eine lebenswichtige Funktion unseres Körpers, er ist auch direkt in Verbindung mit unserem psychischen Wohlbefinden, unseren Gefühlen, unserem Nervensystem und damit auch mit unserem Entspannungs- oder Stresszustand.

Der Atem ist dabei der einzige Teil des vegetativen Nervensystems, der zumindest teilweise willentlich beeinflussbar ist!

Die tiefgehende Bedeutung des Atems können wir besser erahnen, wenn wir wissen, dass die Wortabstammung mit Sanskrit "atman" verbunden ist, ein Wort, das für Lebenshauch, aber in der indischen Philosophie auch für die individuelle, unzerstörbare Seele und die ewige Essenz des Geistes steht.

Je nach unserer Gefühlslage atmen wir anders. Sind wir ruhig, entspannt oder schlafen gar, haben wir einen anderen Atem, als wenn wir gestresst sind. Sind wir ärgerlich oder wütend, wird er wieder anders sein, und sind wir freudig, fließt unser Atem ebenfalls anders. Auch unsere Haltung und unsere Muskelspannung, die z. B. über ungünstige und einseitige Arbeitsbedingungen, aber auch durch stressedingte, innere Anspannung beeinflusst wird, hat direkte Auswirkungen auf die Art, wie wir atmen. Der Atem wiederum entscheidet darüber, wie gut unsere Zellen mit Sauerstoff versorgt werden und wie gut der Abstransport von Kohlendioxid aus den Zellen ist.

Interessant ist aber vor allem, dass wir mit einem bewusst gesteuerten Atem auch unsere Psyche, die Gefühllage und das Nervensystem beeinflussen können. Es liegen also Wechselwirkungen vor: Unsere emotionale und körperliche Situation wirkt sich nicht nur auf den Atem aus, sondern wir können über den Atem auch unseren Körper, unsere Psyche, den Zustand des Nervensystem und unsere Gefühle beeinflussen. Diesen Umstand können wir uns über sinnvolle Atemübungen zunutze machen.

Ein tiefer, regelmäßiger Atem, der alle Bereiche der Lungen nutzt, beruhigt das Nervensystem und bringt damit innere Ruhe und Entspannung. Ein bewusstes, langes Ausatmen regt den Parasympathikus an, also das Nervensystem, welches für Erholung, Ruhe und Entspannung zuständig ist. Über diesen Effekt können wir Stresssysptome im Körper wieder harmonisieren. Muskelspannung, Blutdruck und Herzfrequenz werden reguliert. In einer akuten Stresssituation kann es uns daher helfen, uns ein paar Minuten allein und in Ruhe zu nehmen und einfach tief und lang zu atmen.

Über bewusste Atemübungen kann auch die Haltung des Oberkörpers positiv beeinflusst werden: Wir richten uns auf, es entsteht eine stärkere Bewegung des Brustkorbes, das Zwerchfell wird mobilisiert, die Organe "massiert" und belebt. Es können sich lindernde Effekte auf Probleme des Rückens und der Wirbelsäule ergeben. Neben der Aufrichtung der Wirbelsäule wird auch deren Beweglichkeit gefördert. Verspannung können sich besser lösen. Aus diesen Gründen können sinnvolle und gute Atemübung eine Schmerzprävention darstellen.
Durch die Verbesserung der Sauerstoffzufuhr findet außerdem eine Entlastung der Herz-Kreislauf-Systems statt.

In östlichen Lehren hängt der Atem direkt mit dem Energiesystem des Körpers zusammen. Über den Atem wird Energie zugeführt und verteilt, es findet ein Vitalisieren, Harmonisieren, Reinigen und Energetisieren der Energiezentren, Energiebahnen- und Körper statt, weshalb ein bewusster und richtiger Atem beispielsweise in Yoga oder auch Tai Chi, Qi Gong und anderen Verfahren ein große Rolle spielt. Im Yoga wurden auch verschiedene Atemtechniken für ganz spezielle Effekte entwickelt, wie z. B. Pranayama.

Eine einfach und gefahrlose Art, sich die Wirkungen des bewussten Atmens zu nutze zu machen, ist beispielsweise eine Atemmeditation. Wir gehen in eine bewusste Wahrnehmung des Atens, ohne ihn direkt manipulieren zu wollen, richten die Aufmerksamkeit darauf, spüren, wie er ein und aus strömt und wie sich die verschiedenen Bereiche unseres Körpers dabei bewegen.
Da wir im Allgemeinen einen zu flachen, oberflächlichen Atem haben, können wir immer wieder unsere Aufmerksamkeit darauf richten, ihn zu vertiefen. Dabei können wir bewusst das Ausatmen verlängern und auf den natürlichen Impuls des Einatmen-wollens regieren. Beim Einatmen versuchen wir, alle Bereich der Lunge auszunutzen und mit Luft zu füllen: die oberen Bereiche bis unter den Schlüsselbeinen, den mittleren Bereich im Brustkorb bis hin zu den unteren Lungespitzen. Nutzen Sie dabei auch Ihren Bauch, der sich intensiv nach vorn wölbt und wieder zusammenzieht. Idealerweise ist das Einatmen genauso lang wie der Ausatmen. Kinder atmen noch natürlich; beobachten Sie einmal den Atemrhythmus eines entspannten oder schlafenden Kindes, und lassen Sie sich davon leiten.

Probieren Sie es aus, und Sie werden die wohltuende Wirkung und die Belebung erfahren.

Eher abzuraten ist von speziellen Atemtechniken, die bestimmte Faktoren forcieren, wie beispielsweise längere Pausen zwischen ein- und ausatmen. Achten Sie einfach darauf, was Ihnen gut tut.

 

Hinweis: Informationen in Bezug auf Gesundheit stellt keine Empfehlung im Sinne einer medizinischen Behandlung oder Beratung dar. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Heilpraktiker!